Die Geschichte der Schlittenhunde

Von Sibirien nach Schweden

Das nomadisch lebende Volk der Tschuken in Sibirien nördlich des Baikalsees spannte vor rund 4000 Jahren wohl als erste Menschen Hunde vor Schlitten. Damals hauptsächlich zu Transportzwecken. Von einwandernden Eskimos waren die Tschuken nach Westen verdrängt worden. Die karge Pflanzenwelt und das eisige Klima im Westen erforderte einen ausdauernden Hund, der mit wenig Nahrung zufrieden war. Der «beste Freund des Menschen» musste für die Tschuken gejagte Tiere über lange Distanzen durchs Packeis transportieren.

Obwohl die Tschuken als erste Schlittenhunde einsetzten, stammt das Wort «Husky» nicht aus ihrem Wortschatz, sondern aus dem der Eskimos. Es leitet sich aus dem Slangwort «Esky» für Eskimo ab, wie es von den frühen Entdecker und Arktispioniere gebraucht wurde. Mit der Zeit übertrug man dann «Esky» bzw «Husky» auf die Hunde der Eskimos.

Um 1900 entdeckten auch die Europäer die Schlittenhunde. Unzählige Entdecker brachen mit Schlittenhunden auf Expeditionen in die Polarregionen auf.

Goldrausch bis Iditarod

Um 1880 entdeckten Schatzsucher in Alaska das erste Gold. Der Goldrausch setzte ein. Um im unwegsamen und wilden Alaska Essen und Ausrüstung zu den Goldsuchern zu transportieren, waren Schlittenhunde das ideale Transportmittel.

Der Frachttransport mit Hundeschlitten wurde so zum seriösen Verdienst. Unter den Schlittenhundehalter kam bald das Wettkampffieber auf: Wer hat die leistungsfähigsten und ausdauernsten Hunde? Aus kleinen Rennveranstaltungen entwickelte sich dann 1908 in Nome (Alaska) das «All Alaska Sweepstskes», eine Art Lotterierennen, bei dem der Gesamteinsatz an den Gewinner ausbezahlt wurde. Ein reguläres Postteam mit Lastgeschirren und einem Lastschlitten gewann das erste «All Alaska Sweepstakes».

Schon 1909 leitete Scotty Allan die Ära der speziellen Rennausrüstung ein, als er mit einem speziellen Rennschlitten von 31 Pfund Gewicht an den Start ging. Die Rennteilnehmer kamen schon damals aus aller Welt nach Alaska um ihr Können als Musher und die Leistungsfähigkeit ihrer Schlittenhunde unter Beweis zu stellen.

Tragisch ist die Geschichte vom Pelztierhändler William Goosak, der mit 10 Hunden aus Russland nach Alaska kam um das zweite «All Alaska Sweepstakes» zu gewinnen. Sein Team kam im Rennen «nur» auf den dritten Platz und er musste alle Hunde verkaufen, um das Geld für die Heimreise aufbringen zu können.

1925 wurde in Nome ein Fall von Diphtherie entdeckt. Der Vorrat an Gegenmittel reichte für die 2000 Einwohner nicht aus. Mit einer Hundestaffel gelang es, das benötigte Serum in nur fünf Tagen von Nenana nach Nome zu transportieren. Normalerweise benötigte man für die Wegstrecke 25 Tage. Leonhard Seppala, eine Legende im Schlittenhundesport, legte dabei die grösste Teilstrecke zurück. Zur Erinnerung an diese grossartige Rettungsfahrt mit Schlittenhunden wird in Alaska seit 1973 jedes Jahr das bekannte Iditarod-Rennen gestartet. Es führt vom Startort Anchorage, streckenweise auf der Originalstrecke von 1925, nach Nome. Iditarod: Das sind 1000 Meilen durch die unberührte Wildnis Alaskas. Während das Siegerteam 1973 noch gut 20 Tage benötigte, schaffte Doug Swingley aus Montana 1995 die Strecke in 9 Tagen, 2 Stunden und 42 Minuten. Neuer Rekord!

Rennen in Europa

In den sechziger Jahren kam der Schlittenhundesport über die Schweiz nach Europa. Heute werden Schlittenhunderennen in Norwegen, Schweden und Finnland, in der Schweiz, in Östreich, Italien, Frankreich und Deutschland durchgeführt. Auch in den osteuropäischen Ländern werden immer mehr Schlittenhunderennen organisiert.

Reinrassig oder nicht reinrassig?

Bis Anfangs der achziger Jahre wurde in Mitteleuropa nur reinrassige Schlittenhunde ( Sibirian Husky, Alaskan Malamute, Samojede oder Grönländer) eingesetzt. Dies war durchaus verständlich, denn der Sport hatte sich aus den Rassezuchtvereinen entwickelt. In Amerika, vor allem in Alaska, beherrschte der Alaskan Husky das Bild. Diese Rasse wurde speziell für den Einsatz bei Schlittenhunderennen gezüchtet. Diese Alaskan Huskies besassen aber keine Papiere, die ihre Zuchtherkunft dokumentierten. Die ersten der Alaskan-Huskies, die in Mitteleuropa zu Einsatz kamen, durften deshalb nicht an den offiziellen Meisterschaften teilnehmen.

Bei anderen Veranstaltungen aber gewannen sie alle Rennen. 1986 kamen die in der ESDRA / European Sled Dog Racing Association) zusammengeschlossenen Verbände überein, ihre Veranstaltungen auch für nicht registrierte Hunde zu öffnen. Einige Musher mit reinrassigen Schlittenhunden fühlten sich nun benachteiligt und gründeten eigene Verbände, an deren Rennen sich nur Musher mit Hunden der vier anerkannten Rassen beteiligen dürfen.

Diese Trennung wirkt nach: Noch heute gibt es eigene Welt- und Europa Meisterschaften für reinrassige und nicht-reinrassige Schlittenhunde.

Viele Farben – ein Hund

Alaskan Huskies haben kein bestimmtes Aussehen. Es gibt sie in allen Farben und Variationen, manchmal sogar mit Schlappohren. Ein Rassestandart existiert nicht, die Tiere können also auf ihre für Schlittenhunde wichtigen Eigenschaften hin gezüchtet werden: Schnelligkeit, Ausdauer, Intelligenz sowie die Liebe zum Menschen, den sie als ihren «Leithund» akzeptieren. Die wichtigste Eigenschaft des Schlittenhundes ist freilich seine angeborene Lust am Laufen – eine Qualität, die im englischen Sprachgebrauch treffend als «desire-to-go» bezeichnet wird.